(pn) Pro Natura Aargau ist an diesem Wochenende Gastgeberin des Delegiertenrats von Pro Natura. Delegierte aus der ganzen Schweiz treffen sich am 5. und 6. September im Aargau. Neben den statutarischen Geschäften lernen sie auf verschiedenen Exkursionen Naturschutzprojekte im Wasserschloss und im Reusstal kennen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich langfristig Raum für die Natur sichern und neue Lebensräume schaffen lassen.
Der Delegiertenrat ist das Parlament von Pro Natura Schweiz. Die kantonalen Sektionen sind darin entsprechend ihrer Mitgliederzahl vertreten. Er beschliesst unter anderem über Jahresbericht, Jahresrechnung, Budget und Reglemente, wählt den Zentralvorstand und
fasst Parolen zu politischen Initiativen.
Dieses Jahr empfängt Pro Natura Aargau die Delegierten aus der ganzen Schweiz. Getagt wird am Samstag im Wasserschloss. Anschliessend besuchen die Teilnehmenden den Limmatspitz am Zusammenfluss von Aare und Limmat.
«Wir freuen uns sehr, die Pro-Natura-Familie aus der ganzen Schweiz bei uns im Aargau begrüssen zu dürfen», sagt Matthias Betsche, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau. «Wir möchten unseren Gästen einige Orte zeigen, die uns besonders am Herzen liegen – und gemeinsam erleben, was entstehen kann, wenn wir der Natur wieder Raum geben.»
Regierungsrat Dieter Egli hielt in seiner Ansprache zur Eröffnung der Versammlung fest: «Erfolgreicher Naturschutz braucht ambitionierte Ziele, aber auch Augenmass. Entscheidend ist, Anwohnerinnen und Anwohner, Unternehmen und weitere Interessengruppen einzubeziehen und gemeinsam pragmatische Lösungen zu finden, die Mensch und Natur zusammenbringen – mit nachhaltigen Projekten für unseren Lebensraum, von denen alle profitieren. Pro Natura Aargau beweist dabei genau dieses Fingerspitzengefühl und deshalb schätze ich die Zusammenarbeit sehr. Für den tagtäglichen Einsatz für das Wertvollste, was
wir haben – unsere Wälder, Flüsse, Seen, Pflanzen und Tiere – bin ich sehr dankbar».
Austausch über die Kantonsgrenzen hinweg
Für Urs Leugger-Eggimann, Geschäftsleiter von Pro Natura, bietet der Besuch im Aargau auch Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch zwischen den Sektionen. «Der Aargau hat mit seinen Flüssen, Auen und Feuchtgebieten besondere Naturschätze. Gerade im dicht besiedelten Mittelland ist es entscheidend, diese Lebensräume langfristig zu sichern, aufzuwerten
und miteinander zu vernetzen. Der Delegiertenrat bietet eine schöne Gelegenheit, solche Projekte vor Ort kennenzulernen und Erfahrungen zwischen den Sektionen auszutauschen», sagt Urs Leugger, Geschäftsleiter von Pro Natura.
Naturschutz vor Ort erleben
Am Sonntag führen drei Exkursionen ins Reusstal. Sie zeigen unterschiedliche Wege, wie Naturschutz konkret umgesetzt wird.
Beim Hoonerimoos konnte Pro Natura Aargau durch einen Landabtausch ein ehemaliges Moorgebiet sichern. Nun besteht die Möglichkeit, den Wasserabfluss wieder zu verlangsamen und die Voraussetzungen für eine Moorlandschaft neu zu schaffen. An anderen Stationen erfahren die Delegierten, wie Landwirtschaftsbetriebe zur Vernetzung wertvoller Lebensräume beitragen können und wie in der Aue Grien an der Reuss derzeit ein neuer Seitenarm sowie Lebensräume für Fische, Watvögel und Amphibien entstehen.
Die Projekte knüpfen an eine lange Aargauer Tradition an. Mit dem Auenschutzpark wurden entlang der grossen Flüsse wertvolle Auen gesichert und wiederhergestellt. Mit dem Gegenvorschlag zur Gewässer-Initiative wird diese Entwicklung nun auf weitere Feuchtlebensräume ausgeweitet: Bis 2060 sollen im Aargau 1000 Hektaren Feuchtgebiete im Wald, im Kulturland und im Siedlungsraum entstehen.
«Naturschutz beginnt vor Ort und gewinnt an Kraft, wenn wir ihn gemeinsam voranbringen», sagt Betsche. «Genau darum geht es an diesem Wochenende: voneinander lernen, Erfahrungen austauschen und gemeinsam Lösungen entwickeln, die der Natur wieder mehr Raum geben.»